Rückblick auf das Jahr 2009
Da es schwer ist, unsere Hilfe und somit den Großteil unserer Aktivitäten bildlich zu dokumentieren*, möchten wir unser Engagement und unsere Unterstützungen textlich kommunizieren und Ihnen somit einen Eindruck der Arbeit und der Hilfe, die die LOBBY FÜR KINDER ev das Jahr über stemmt, vermitteln. Der Eindruck über unsere Tätigkeit wird von der Vielzahl der Berichte über erfolgte Spendenübergaben stark verfälscht. Tatsächlich liegt die Hauptleistung der LOBBY FÜR KINDER natürlich in der Aktiven Unterstützung und Hilfe von Bedürftigen und in Not geratenen Kindern. Sehr bewusst konzentrieren wir uns hierbei auf Kinder in unserer Umgebung - um Kinder aus Nürnberg beziehungsweise der näheren Metropolregion . Durch die örtliche Begrenzung können wir meist sofort Helfen und mit unserem Netzwerk im Zusammenhang mit anderen Institutionen manches beschleunigen.
Auch wenn viele es nicht glauben wollen:
im „reichen“ Nürnberg gibt es sehr viele Bedürftige!
Traurig stimmt uns die eindeutige Tendenz, dass es immer mehr werden. Gerade die wirtschaftlichen Veränderungen lassen uns mit Sorge in die Zukunft blicken. Die Zunahme an Bedürftigen steigt vor allem nicht mehr stetig, sondern mittlerweile immer schneller an.
Durch einen Arbeitsplatzverlust der Eltern ergeben sich auch für die Kinder neben den hinreichend bekannten materiellen Veränderungen vor allem psychische Belastungen und oft auch Abgrenzungen vom vertrauten Umfeld. Persönlichkeitsveränderungen finden statt, die eher Angst statt Mut auslösen. Wir befürchten, dass dies im Jahr 2010 stärker in den Fokus unserer „Individuellen Hilfe“ geraten wird.
Folgend erhalten Sie einen kurzen Überblick über unsere Projekte und Unterstützungen im Jahr 2009
* Wir dürfen aus Gründen der Persönlichkeitswahrung keine Gefangenen fotografieren. Für das Ablichten von Schulkindern bedarf es spezieller schriftliche Genehmigungen der Eltern, die wir jedoch selten von allen Klassenmitgliedern erhalten. Bei Einzelhilfen gebietet es der Respekt diese nicht als hilfsbedürftig abzustempeln.
PROJEKT:
GESUNDES SCHULFRÜHSTÜCK
Unser mittlerweile -mit weitem Abstand- größtes Projekt seit dem Jahr 2002 - also seit nunmehr 8 Jahren - ist das Projekt „Gesundes Schulfrühstück“für bedürftige Kinder. Im Jahr 2009 konnte die LOBBY FÜR KINDER ev dank vieler großzügiger Einzelspenden 15 Einrichtungen regelmäßig unterstützen. Namentlich sind es folgende 9 Schulen, 3 Förderzentren, 2 Kindergärten sowie eine Vereinsgeführte Einrichtung.
- Herschel-Schule
- Knauer-Schule
- Reutersbrunnenschule
- Soldner-Schule Fürth
- Thusneldaschule Grund- und Hauptschule
- Holzgartenschule
- Scharrerschule
- Sperberschule
- Wiesenschule
- Förderzentrum Langwasser
- Förderzentrum Langwasser Teilzentrum 2
- Förderzentrum Knauerschule
- Humanistischer Kindergarten St. Peter
- Kindergarten Kupferstraße
- Einrichtung „Tischlein deck Dich“ LILITH ev
Unsere Projektleiterin für das „Gesunde Schulfrühstück“, Frau Helga Weiß, meldet per 31.12.2009 einen Gesamtbetrag von bisher 320.000,- Euro. Dieser Betrag ist innerhalb der vergangenen 7 Jahren ausschließlich durch Einzelspenden an die LOBBY FÜR KINDER ev getragen worden. Wir bezogen hierzu keinerlei staatliche Unterstützung oder Förderung. Frau Weiß prüft in unregelmäßigen Abständen wie das Frühstück in den Schulen und Einrichtungen zubereitet wird. Die große Anzahl von Dankschreiben der Kinder, vor allem zu Weihnachten, zeigen uns, dass diese wichtige Hilfe sehr gut angenommen wird.
PROJEKT
EINSTEIN
Unser „Projekt Einstein“ steht ganz unter dem Motto „Fördern und Fordern“. Schon seit längerem bemühen wir uns verstärkt darum, Kindern und Jugendlichen Neugierde auf Bücher zu vermitteln. Dies ist im Zeitalter der neuen Medien keine leichte Aufgabe. Mehr als 1 Million Schüler erhalten in Deutschland regelmäßigen Nachhilfeunterricht.
Oft sind auch unserer Hilfe Grenzen durch äußere oder familiäre Strukturen gesteckt. Dennoch bieten wir lernwilligen Kindern aus sozial oder finanziell schwachen Familien oder aus Familien mit Migrationshintergrund Nachhilfe bei „Schülerhilfe“ an. Die Sprachkompetenz spielt gerade in der Integration eine überragende Rolle.
Die Nachmittagsbetreuung wird durch unser „Projekt Einstein“ getragen. Die Kinder werden hauptsächlich vom Fachpersonal des Kreisjugendrings betreut. Speziell mit dem „Sperber-Treff“ und dem Jugendzentrum „Quibble“ haben wir hierbei 2009 sehr gute Erfahrungen machen können.
Wir können stolz auf viele dieser Kinder sein, denn einige von ihnen haben 2010 Aussicht auf einen guten Qualifizierten Hauptschulabschluss oder haben diesen bereits 2009 erfolgreich absolviert. Einigen von uns geförderten Kindern konnte im vergangenen Jahr sogar der Übertritt auf die Realschule ermöglicht werden. Dies ist umso erfolgreicher zu bewerten, als dass die Kinder ihren Bildungswillen oft auch gegen die Überzeugung der Eltern durchsetzen. Wir gratulieren allen Kindern die wir im Jahr 2009 durch unsere Unterstützung zu einem besseren Schulabschluss oder einem Übertritt verhelfen konnten.
PROJEKT
ANTOLIN
Weiterhin förderten wir auch 2009 das Projekt „Antolin“ das eine bewusste Leseförderung darstellt. An der Scharrerschule sowie an der Grundschule Eibach finanziert die LOBBY FÜR KINDER ev 2009 dieses Schulprojekt mit finanziellen Mitteln und mit Buchspenden. Gerade Kindern mit erhöhtem Bildungsbedarf gilt in diesem Projekt unser großes Interesse und unsere Fürsorge.
KNIGGE SEMINARE
Im Jahr 2009 ist es uns leider nicht möglich gewesen ein Knígge Seminar für Schüler durchzuführen. Für das Jahr 2010 zielen wir hier auf ein Gelingen und die Fortführung dieses wichtigen Erlebnisses und Kennenlernens von Benimm-Regeln für Kinder.
Die Knigge-Seminare haben uns einige kritische Stimmen beschert. Haupttenor der Kritik war die Verschwendung von Geldern für Luxuskurse.
Unsere eigene praktische Erfahrung hat uns allerdings von einem völlig anderen Ergebnis überzeugt:
Die Schüler haben sich stets mit großer Begeisterung, Aufmerksamkeit und Neugierde an dem Projekt beteiligt. Einmal in einem solchen Rahmen respektiert zu werden wie die Großen, bedient und freundlich angesprochen zu werden, dabei Manieren zu lernen und -für viele unbegreiflich- mit Messer und Gabel zu essen, das macht nicht nur stolz sondern zeigt auch die Chance auf, wie man mit gutem Benehmen und Manieren sein Glück selbst in die Hand nehmen kann. Viele der Schüler erleben hierbei das erste Mal in Gemeinschaft an einem Tisch zu essen, frisches Gemüse zu geniesen oder eben mit Messer und Gabel zu essen.
Die Wirkung dieses Seminars bleibt für die meisten der teilnehmenden Schüler ein unvergesslich positives Erlebnis, dass sich nachhaltig auswirkt. Mit der richtigen Bestätigung und dem Stolz der Kinder über das Absolvieren eines Knigge-Seminars können wir hier eine wichtige Basis vermitteln. Spätestens bei der Lehrstellensuche ist gutes Benehmen „A“ und „O“ und kann den Schülern durchaus als „Türöffner“ dienen.
Bitte beachten Sie, dass in den meisten Familien unserer Klientel kein Esstisch vorhanden, frische Kost fast völlig unbekannt und ein gemeinsames Einnehmen von regelmäßiger Nahrung meistens gar nicht möglich ist.
JUSTIZVOLLZUGSANSTALT NÜRNBERG
JUSTIZVOLLZUGSANSTALT AICHACH
Seit 21 Jahren unterstützen wir Kinder inhaftierter Mütter, sowie auch Väter in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg. Damit die inhaftierten Elternteile ihren Kindern zu Weihnachten und Geburtstagen etwas schenken können, erhalten sie von der LOBBY FÜR KINDER ev Spielsachen. Hauptsächlich sind wir hierzu in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg aktiv. In der Justizvollzugsanstalt Aichach wurden wir aktiv, weil länger inhaftierte Frauen -auch aus dem Raum Nürnberg- dort ihre Haftstrafe abzuleisten haben. Die Übergabe der Geschenke findet stets im Rahmen einer, von der LOBBY FÜR KINDER ev organisierten, Weihnachtsfeier für die inhaftierten Mütter in der Kapelle der Justizvollzugsanstalt statt. Im Jahr 2009 feierten wir am 19. Dezember gemeinsam mit Pfarrer Helmut Weidinger, Ute Scholz, Monika Teepe und Professor Burkhard Rempe und einigen Mitgliedern der LOBBY FÜR KINDER ev. Es geht uns bei dieser Aktion in erster Linie um die Kinder der inhaftierten, die bereits in schwieriger Situation aufwachsen. Durch unsere Initiative ermöglichen wir den Kindern und auch den Eltern wieder etwas Stolz für den Beschenkten und den Schenkenden. Getreu unserem Motto, dass wir das Band der Familie erhalten und wiederherstellen möchten.
Mangels Spenden werden wir unser Engagement in der Justizvollzugsanstalt Aichach für das Jahr 2010 wohl leider nicht mehr ermöglichen können.
INDIVIDUELLE EINZELHILFE
Unsere eigentliche Kernaufgabe, die individuelle Einzelhilfe in Fällen, in denen Kinder unverschuldet in Not geraten sind und gängige Institutionen nicht greifen wurde 2009 in mehr als 100 Fällen angefragt. Die Unterstützung erfolgt in verschiedenster Art und Schwierigkeit, meist schnellstmöglich, auch sofort. Oftmals ist die LOBBY FÜR KINDER ev der letzte Strohhalm. Einige konkrete Beispiele aus dem vergangenen Jahr:
- Kostenübernahme für Schullandheimaufenthalte
- Kostenübernahme für Bekleidungsausrüstung
- Kostenübernahme für PEKIP*-Gruppen
- Ausrüstungen zum Schulanfang
- Kostenübernahme für Mitgliedschaft im Sportverein
- Kostenübernahme für Wäsche, Bettzeug, Bekleidung
- Kostenübernahme für Nachhilfe oder andere weiterführende Kurse
- Ernährungsunterstützung für Babys und Kinder
- Einkaufsgutscheine für Lebensmittel für Familien die am
Existenzminimum leben (nicht gültig für Tabakwaren und Spirituosen!)
- Fahrtkostenübernahmen für Kinder die ihre Eltern besuchen möchten
Hilfe bei der Suche nach einer kostenlosen Nachhilfe
- Besorgen einer neuen Matratze . . . u.s.w.
Die Unterstützung durch die LOBBY FÜR KINDER ev ist keine anonyme Angelegenheit. Gerade durch die lokale Begrenzung unserer Hilfe ermöglichen wir uns eine längere Begleitung der Familien. Ein Kontakt wird oft sogar über Jahre beibehalten. Somit ist es uns auch möglich Entwicklungen zu erkennen und Kinder bis zum Beginn ihrer beruflichen Laufbahn zu begleiten.
* Das Prager Eltern-Kind-Programm (PEKiP) ist ein Konzept für die Gruppenarbeit mit Eltern und ihren Kindern im ersten Lebensjahr, das im Rahmen einer Krabbelgruppe den Prozess des Zueinanderfindens unterstützen soll und auf eine Frühförderung der Babys sowie einen Erfahrungsaustausch der Eltern abzielt.